Saß ich im Garten des Berggasthofs vor dem Gebirgspanorama und konnte nichts Rechtes denken; auch was ich fühlte, war ungenau. So wandte ich einen alten Trick an – ich tat, als sei es normal. Der schmiedeeiserne Zaun aus der Zeit vor den Großen Kriegen, die einem Bauerngarten würdigen Blumen entlang dieses Zauns, die blütenübersäte Wiese vorm Nutzwald – und dahinter die Felswände im Abendlicht. Sie sind nicht dort, um von mir bewundert zu werden. Ganz unnötig, noch zusätzlichen Aufwand zu betreiben. Die Dinge sind, das muß reichen. Von mir selbst ist nichts verlangt, außer mich anständig zu benehmen. Da nun die Erinnerung einsetzt, kann ich bestenfalls sagen: Ich war dort. Auf dem Stuhl lag ein Sitzkissen. An den Nachbartischen saßen Gäste und unterhielten sich. Ich traute mich nicht, ins Tagebuch zu schreiben (eben stand hier noch: schreien), empfand das als affig, aufgesetzt, sinnlos. So las ich oder versuchte. Kann mich an wenig aus dem Buch oder aus meinem Kopf erinnern, nur an das Gefühl einer Übermacht des Vorhandenen.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.