Ich weiß nicht mehr genau, wann es anfing. Es muß in den Nullerjahren gewesen sein, daß ich unwillkürlich Ancien Régime dachte, wenn von den herrschenden politischen Systemen die Rede war. Sie fuchteln und zappeln, bellen und ballern, tricksen herum, drohen und bedrohen einander, türmen tote Materie auf und gieren nach immer monumentalerer und leererer Größe. Es war die Zeit der großen amerikanischen Revanche. Später kamen weitere sinnlose Krisen hinzu, in immer schnellerer Folge, ich zähle sie nicht auf. Sie waren oder sind sinnlos, da ihre Ursache nicht verstanden werden kann. Solches Nichtverstehenkönnen ist herausragendes Kennzeichen eines Ancien Régime. Es vermag nicht über seinen Schatten zu springen, trotz all der ausgeklügelten Technik. Das ist keine Spezifität des Westens, Ancien Régime ist überall. Und dennoch sollte es ein richtiges Leben im falschen geben.
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Die Lektür von „Der Fürst“ (Machiavelli) hellt auch die machtpolitischen Techniken der Gegenwart auf.