Zahlen bitte

Wie mag sich das lesen und verstanden sein, wenn die Texte hier noch bestehen, doch ihre Verursachung verschwunden ist? An was hat dieser Mann gelitten, wie hat er gelebt, wie kam er zu seinen Aussagen? Etwa so müßte gefragt werden. Warum schreibe ich diese Texte zu Tagen, die Tage zu Texten? Ich mochte wohl auf mich aufmerksam machen; stellte mir auch vor, mir zu beweisen, daß ich halbwegs umstandslos schreiben kann (da ich mich ansonsten doch so anstelle). Mittlerweile ist es anders, denn diese Seiten existieren und haben eine eigene Wirklichkeit erzeugt. Ich besuche sie wie ein Café, in dem ausgerechnet ich derjenige bin, der für die Bespielung sorgen muß. Wandbilder, Musik, Themen. Das Personal kommt und geht. Ich sortiere. Texte und Tage ist eine Inszenierung, ich heuchle Authentizität. Woanders bin ich anders. Wie stolz und künstlerisch-künstlich das klingen muß. Ich mag solche Künstelei nicht, ich bin der, der hier schreibt und das Café pflegt und unterhält und es weiterführen mag durch die Tageszeiten und Zeitentage, fast komme ich mir heroisch vor, denn Durchhalten macht legendär. Manchmal lese ich in alten Eintragungen und erkenne mich wieder, meistens sogar. Daß das Medium die Botschaft ist, mag eingeschränkt gelten. Das Medium saugt und reißt an mir und erfordert eine Aufmerksamkeit. Das Medium kann zugleich natürlich nicht die Botschaft sein, denn dies ist kein Café, wenngleich es eines sein könnte oder müßte. Ach, ich bin zerrissen zwischen Ort und Nichtort.


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