Als ich Literatur nicht nur las, sondern akademisch studierte, war es seitens der Kommilitonen (siehe die Etymologie dieses Wortes) üblich, Hesse und Rilke verächtlich zu behandeln. Über deren Gefühlsdarstellungen war man hinaus, analytische Kälte war aufgelegt, und kalt korsettiert schritt man voran im fortschreitenden Verstehen der kanonischen Texte, die bereinigt waren von unintellektuellem Sentiment. Hin und wieder erschienen die Verfemten jedoch erneut auf dem Speiseplan des Semesterangebots, ins jeweils Aktuelle gewendet und zeitgeistig neuerlich befragt. Das blieben Ausnahmen. Die populäre Kultur schert sich wenig um das Akademische. In der Kultur der Leute sind Hesse und Rilke gegenwärtig und sterben nicht. Das Akademische folgt unwillig dem Strom des Faktischen und erklärt zwanzig Jahre später, was es mit solchem Strom auf sich gehabt haben könnte, zunächst und bisweilen ungesichert. Darin erkenne ich immerhin noch die Tugend des Verzichts.
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