Finger für Finger der einen, dann der anderen Hand

Anfangs ist es schön, erst später wird es schrecklich. Verlockungen, Verführungen, Versprechungen. Man soll nicht folgen, obgleich man möchte. Wer Menschen zu verstehen sucht, wird ihre Verführbarkeit einrechnen müssen, auch ihre Leichtgläubigkeit. Solche (scheinbaren) Defizite sind verdrehte Tugenden, denn Menschen möchten glauben und vertrauen, und es ist ihnen eigen, sich vertrauens- und hoffnungsvoll führen zu lassen. Kaum jemand ist allerdings geboren oder bestellt, außer sich selbst nun ausgerechnet auch noch andere zu führen oder zu leiten. Es gibt sie aber. Solchen Wundergestalten begegnen wir auf den Bühnen dieser Welt, und es ist gut, wenigstens einen von ihnen kennenlernen zu müssen, zu können, zu dürfen (je nach eigener Verfassung). Ab dann weiß man, wie unterschiedlich wir sind. Wer ins Machtspiel tritt, muß dafür zahlen. Wer sich auf das Ohnmachtspiel einläßt, zahlt anders. Erst wird genommen, dann wird gegebenenfalls gegeben. Hohes Risiko. Besser, man hält sich heraus. Doch nicht einmal dies gelingt, wenn die Führungs- oder Gegenmächte totalitär werden. Dann wollen sie jeden, dann gibt es keine Unterschiede mehr. Man soll die Macht nicht verachten. Das ist kindisch. Man soll sie erstens meiden und zweitens studieren. Etwa so, wie man eine Schlange beobachtet, vielleicht sogar so, wie der Mungo eine Schlange studiert, ehe er sie zu Tode tanzt. Interessanter wird es noch, wenn einem selbst Macht (Möglichkeit) überantwortet ist. Schon gerät man ins Selbststudium und in totgeschwiegene Bereiche. Wir sind ein Abgrund, selbst wenn wir das bestreiten.


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