Das ist Marie, hinter ihr steht Paul, daneben offenbar ein Nachbar oder Arbeitskollege

In den Wohnungen schauen die Gäste auf Photos, die an einer Photowand hängen mögen oder auf einer Anrichte, einer Kommode oder dem Klavier aufgestellt sind, gerahmt und haltbar gemacht, damit die Photographierten nicht in Vergessenheit geraten oder augenblicklich erinnern, daß man sie kennt oder ihnen verbunden ist. Die Gäste fragen selten, warum solche Bilder ausgestellt sind. Man macht das so, es ist Teil der fraglosen Kultur. Nichts spricht gegen solche Sitte, man könnte sie als rührend oder alltagsmagisch beschreiben. Mich beschäftigt, warum ich auf Photos die mir lieben Personen nicht antreffen kann. Die Bilder sind bunte Schatten. Unheimlich ist der in die Ewigkeit verlängerte Augenblick. Endlos dieser Abdruck einer Bruchteilsekunde, Dokument einer Zufallsentscheidung. Die Kamera ist ein Loch in der Wand einer Kammer, in die eingeschlossen wird, was außerhalb ihrer zu bewegen sich schickt. Niemand möchte eingefangen werden und fixiert sein. Es hat etwas auf sich mit unserem endlosen Photographieren.


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Das ist Marie, hinter ihr steht Paul, daneben offenbar ein Nachbar oder Arbeitskollege

Ein Gedanke zu „Das ist Marie, hinter ihr steht Paul, daneben offenbar ein Nachbar oder Arbeitskollege“

  1. L.L. schreibt:

    Da irrst Du, Holger. Wir leben im Zeitalter des Selfies. Die Menschen fangen sich selbst ein, vor allem die jungen. Warum? Aus einem Katalog von Antworten greife ich eine heraus. Das Selfie versichert, dass es sie gibt. Der Eiffelturm, das Brandenburger Tor, das Colloseum sind ihre Zeugen.

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