Pirouette

Da die Gesellschafts- und Herrschaftskritik totgemacht wurde (vergiftet, erdrosselt, ausgedürstet), ließe sich in Deutschland herrschen wie selten zuvor. Nur daß das nicht funktioniert. Darüber wären Seminare zu halten, Symposien zu veranstalten und Fachleute zu hören. Die Milieus igeln sich ein und scheuen die Kritik wie der Teufel das Weihwasser. Man schwadroniert von Brandmauern, als lebten die letzten Gerechten in der ummauerten Stadt. Das sind Zuspitzungen von Nervosität und Orientierungslosigkeit. Geriete jemand unerwartet und unverhofft in Gelassenheit, ließe sich binnen kurzem klären, daß die Fronten abgerissen werden können. Halbwegs Gute, halbwegs Üble schießen nicht auf halbwegs Üble, halbwegs Gute. Es sei denn, sie tun es dennoch, schlecht beraten oder aufgehetzt. So etwas nennt man Bürgerkrieg. Dazu vielleicht noch einmal Der abenteuerliche Simplicissimus (1669), Autor: Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1622-1676). Ein Schelmenroman, heißt es. Wo das Gelächter laut ist, ist der Schrecken nicht weit. Siehe die aufgerissenen Münder.


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Pirouette

Ein Gedanke zu „Pirouette“

  1. L.L. schreibt:

    Sieh auf youtube „Cowboy Prank“. Schreck, eigentlich Entsetzen, springt um in infernales Gelächter. Oft werden die Gesichter in slow motion gezeigt. Ein faszinierendes Phänomen. Umgekehrt zu Deiner Beschreibung. Entstammt Lachen und Gelächter dem Entsetzen? Ich vermute es stark.

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