Geschmackssinn

Liebende schließen, kurz bevor sie sich küssen, die Augen. So überlassen sie dem Tastsinn und dem des Schmeckens das Feld der Hingabe und des Genusses. Was könnte der Sehsinn denn auch beitragen in solch unmittelbarer Nähe. In einem Kuß zu versinken ist die totale Gegenwärtigkeit. Nichts, das sonst noch zählen könnte. Ganz bei der Sache sein – den Kindern wird es fast schon geneidet, deshalb stören wir sie so oft und reißen sie heraus in die relative Welt, die die Erwachsenen beherrschen meinen zu können oder zu müssen. Selbst die Liebenden scheinen zu stören, fragt man kurz mal nach. Die Relativen rollen mit den Augen und denken: Das gibt sich. Heimlich jedoch sehnen sie sich zurück in die Kindheit ihrer Liebe und die Liebe ihrer Kindheit. Nein, wir werden nicht besser mit den Jahren, nicht hinsichtlich der Intensität. „Intensität ist kein Gefühl“, dozierte der Literaturprofessor.


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Geschmackssinn

Ein Gedanke zu „Geschmackssinn“

  1. L.L. schreibt:

    Küssen ist das Vorspiel des Todes. Darauf wies Robert Koch hin, nachdem er die Bazillen entdeckte, welche Cholera übertrugen – vorwiegend durch Küsse.

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