Kein Titel

Enttäuschungen beruhen zu allererst doch wohl auf Täuschungen. Nicht? Ich dachte, ich hoffte, ich stellte mir vor. Nichts da. Das ist heilsam, das sitzt. Selbsttäuschungen sind lehrreich. Man muß lernen, Zeichen zu lesen und sie von anderen Zeichen, die keine Zeichen sind, zu unterscheiden. Niemals kann man sich sicher sein. Unsicherheit scheint das vibrierende und tragende Element menschlicher Beziehungen zu sein, wenn der Anspruch auf bedingungslose Liebe erloschen ist. Das ist der Schock des frühen Erwachsenseins: daß auf nichts Verlaß ist. Nicht einmal auf sich selbst. Wie kann man wissen, wer man ist? Das sind ernste Fragen. Sie gestalten sich fort und ergeben einstmals ein vorläufiges Antwort-Bild. Daß es friedlich wirken mag, täuscht. Nichts ist friedlich an einem Wesen, das aus sich heraus geraten muß. Daher die Traditionen und Institutionen. Entlastungen sind Belastungen – als müßte man das auch noch sagen.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Kein Titel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert