Nachtfahrten

Nacht- oder Dämmerungsfahrten durch die Lüneburger Heide. Der Scheinwerfer reicht nicht weit und fächert sich schmal. Wildwechsel kann überall geschehen. Ein Reh bricht aus dem Dickicht, ein Hirsch schnaubt vor. Wildschweine sind gewiefter. Einmal querte ein Dachs in flachen Sprüngen die Fahrbahn. Andernmal verflog sich ein Uhu und raste auf die Windschutzscheibe zu. Langsam fahren, ruhig bleiben. Achtzig Stundenkilometer in einem Waldgebiet voller Tiere ist ein Wagnis, das in Versicherung zielt. Je nach Jahres- und Brunftzeit. Entlang der ländlichen Straßen die Kreuze der jungen Toten, die nach der Party oder dem, wie man früher sagte, Diskobesuch an einem Straßenbaum endeten, umdampft, verschmort oder eingeklemmt in den gestauchten Resten ihres Personenkraftwagens. Die Feuerwehr schneidet sie raus. Ein Toter pro Sarg, vorher in Folie. Achtet die Tiere wie euch selbst, könnte man texten. Bringt genauso wenig wie alle anderen Kampagnen. Leben muß man eigens lernen, sofern man Mensch ist.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Nachtfahrten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert