Frühling ist eine Quälerei. Man schicke mir keine Bilder von Krokussen oder Forsythien – sie stehen und wehen im kalten Wind. Wind und Kühle fassen an die Haut, daß man wund davon wird. Kaum wird es warm, fahren sich die Leute gegenseitig über den Haufen. Es gibt grosso modo drei Sorten Mensch in Bewegung: Fußgänger, Fahrradfahrer, Autofahrer. Die einen fahren um, die anderen stehen im Wege. Geschrei und Überlegenheitsdünkel. Zurück zur Quälerei: Frühjahr ist eine Geburt unter Wehen. Der Sommer ist zu groß, um als Ganzes aus dem schmerzgepeinigten Körper der Zeit gepreßt zu werden. Er kommt gleichsam in Stücken und Schüben, so daß man um das Leben überhaupt zu bangen beginnt. Damit man das aushält, gibt es die Vertröstungen auf ein Später. Bald wird es warm sein, bald wir es grün sein, bald schon ist Sommer.
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