Wie sehr und unterschiedlich wir sind. Die einen verschicken Blumen-Photographien wie zum Nachweis, daß es Frühling sei. Ich las als Unterschrift einer solchen Abbildung dessen, was natürlicherseits geschieht: Hoffnung auf den Frühling. Sie (diese Formulierung) führte mich zurück in älteste Angst: daß es nie wieder warm wird und ewiger Winter anbricht. Angst als fast schon urzeitliche Befürchtung, nicht als Fast-schon-Gewißheit. Die anderen warten ab, halten sich bedeckt, kehren ein und trinken drei kleine Bier. Anschließend schnell nach Hause, bevor die Müdigkeit einen auf halbem Weg noch köpft. In solch wunder Zeit schmeißen sich die Leute vermehrt vor die Züge. Zweimal bereits saß ich in einem, als solches geschah. In der S-Bahn kurz nach Ausfahrt des Zuges aus der Station Friedenau in Richtung Schöneberg (Ringbahn), in der U-Bahn (U7) am Hermannplatz kurz nach Ausfahrt des Zuges Richtung Hermannstraße (Endstation). Wer sich auf solche Weise umbringt, zerstört nicht nur sich selbst. Ich habe die Durchsagen der Zugführer noch im Ohr, als sie mitzuteilen versuchten, daß es nun nicht weiterginge, daß etwas passiert sei, daß wir uns gedulden müßten. Zitternde Stimmen von Menschen, die sich zu fassen versuchten.
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