Tagesgegenwart

Der Himmel ist wie blankgeputzt, Sonnenlicht durchflutet das Zimmer und zeichnet scharfe Schattenlinien. Ein Spatz kühlt sich den Bauch in der Wasserschale. Ich trete auf den Balkon, eine Taube flieht aus dem Haselnußstrauch. Das fettige Klatschen ihrer Flügel. Die Blätter des Strauchs färben sich jetzt erst grün. Es ist ein Leben in der Welt, daß sich staunen läßt. Gibt der Tod jetzt endlich mal Ruhe? Als ich heute früh das Tagebuch aufschlug, hätte ich fast geschrieben: Dienstag, 6. Mai ’45. In zwei Tagen ist der Krieg vorüber. (Der 6. Mai vor achtzig Jahren war ein Sonntag.) Das Leben lebt sich durch mich und drückt sich entsprechend aus, notierte ich noch. Also wird doch jeder gebraucht. Leben heißt Freude empfinden.


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