Das Verhältnis des Ausgesprochenem zum Unausgesprochenem ist nicht ausgeglichen. Zum Unausgesprochenen gesellt sich das Unaussprechliche, demnach wohl ein Unaussprechbares. Da türmt sich was auf. Ich habe fast von Kindheit an, insbesondere dank meiner Mutter, an die Kraft des Aussprechlichen und Ausgesprochenen geglaubt, und wurde darin als Jugendlicher oder junger Erwachsener zusätzlich bestärkt, als eine einfühlsame Tante mir sagte: Wenn du es sagst, kann ich es annehmen – und das geht auch den andern so. Ich wußte schon damals: Der Ton macht die Musik. Das läßt sich spüren. Nicht jeder darf alles sagen, doch manche dürfen fast alles, sogar sagen. Eine Ungleichheit, eine Ungerechtigkeit. Ihr verbunden sind Verantwortung und Verpflichtung. Wenn du es sagen kannst, dann sag es. Die Tante sagte auch: Wenn du ohne Gott leben kannst, dann glaube ich dir das. Aber die Menschen hier brauchen einen Halt.
Nachtrag: Sie sagte nicht, die Menschen hier. Sie sagte auch nicht, die Leute. Ebenso wenig sagte sie, die Menschen. Sie spürte etwas an mir, das ungerecht sein oder werden könnte. Ich verstand sie gut und habe mir das gemerkt. Meine sogenannten Prinzipien sind nicht die der anderen, ein jeder mag leben nach eigenem Gesetz. Ich habe ein bißchen Glück mit meinen Verwandten, aber auch das wußte ich lange Zeit nicht. Mir war meistens, als sei ich allein.
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