Seit ein paar Jahren ist in Deutschland vermehrt die Rede von wertschätzendem Verhalten usw. Sie ist mir als Floskel verdächtig, wenngleich Vorhaben und Absicht edel und hochgemut anmuten mögen. Im Nichtort Utopia werden alle stets das Beste tun und beabsichtigen, das ist gewiß, und dafür entsprechend anerkannt sein mögen und werden. Einstweilen müssen wir es aber gemeinsam auf Erden in den Wirklichkeiten aushalten. Da kommt ein solcher Wunsch nach Wertschätzung einer utopischen Idealforderung nahe – und der diabolische Verstand macht aus Wertschätzung eine nur ungefähre Schätzung des Werts, eine Pi-mal-Daumen-Angelegenheit. Als ginge man zum Pfandleiher und ließe den Wert einer goldenen Uhr schätzen. Ein Konfirmationsgeschenk oder ein Erbstück, man hat das längst vergessen. Ich finde die goldene Uhr interessant. Hatte nie eine, wünsche mir keine. Daß damit zu protzen sein könnte, stimmt mich fröhlich. Ein Hurra auf die Auszeichnungen.
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