Mir sind nun auch die Spaltungen schnuppe – soll sich die Gesellschaft vervielfachen in Abtrünnigkeiten. Zehn oder zwanzig, vielleicht dreißig Jahre wurden wir beidseits des einstigen Zauns mit der Frage belästigt, ob wir deutschen Menschen in Ost und West nun endlich zusammengewachsen seien. Bundespräsidenten hielten diesbezüglich feierlich Reden, das war zum Schießen. Eine Narbe weist auf eine Wunde, diese auf eine Verletzung hin. Was soll man wollen, was kann man hoffen? Für mich war das einfach. Da ich mich mit dem politischen Westen nicht identifizieren konnte oder mochte, waren mir die Ossi-Wessi-Geschichten peinlich. Ich hätte auch nicht im deutschen politischen Osten aufwachsen mögen, gewiß nicht. Wenn etwas die Spaltungen heilt, ist es die Anerkennung der Wunde, also der Verletzung. Wir fragen nicht, wer auf wen geschossen hat. Das führt nicht zur Lösung, sondern zu neuerlichem Blödsinn. Ist doch klar, daß ich ein halbwegs anderer geworden wäre, nicht sozialisiert in einem Bauerndorf im Weserbergland, Niedersachsen, sondern woanders. Zurück zum Anfang dieses kleinen Textes: Ein Unterschiedlichsein gefällt mir. Ich benötige nicht Einhelligkeit. Es ist normal, anderer Ansicht zu sein. Die Unterschiedlichkeit gewisser Ansichten macht uns nicht zu Feinden. Wir könnten dies sehr genießen, wenn nicht gerade wieder sonstwas wäre. Daher der erste Satz.
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