Warum ist es machmal so schwer, sich selbst zur Ruhe zu bringen? „Hier was, da was“, hätte der Bauerngroßvater auf Plattdeutsch gesagt. Das nervöse Gehirn fühlt sich hierhin und dorthin aufgefordert, gereizt von den Sinnen und ihrem vielfältigen Bemerken.
Hier müßte doch mal gefegt werden, sieh doch: all das trockene Laub, noch vom letzten Jahr, wer macht das denn weg? Der Wind streicht ein, nachher wirst du deinen Kapuzenpulli brauchen. Seit wann nennen den eigentlich alle Hoodie? Sieh doch schnell mal nach. Hörst du die Stimme der Nachbarin – in welcher Sprache spricht sie? Wasser aus einer Plasteflasche oder Plastikflasche soll nicht gut sein, denk doch bitte daran, demnächst wieder solches aus der Glasflasche zu kaufen, selbst wenn die schwerer ist. Eine Nachricht ist eingetroffen, willst du nicht nachsehen, wer die geschrieben hat und was sie besagt?
Durch die Häuserlücken dringen Sirenengeräusche in den Hinterhof. Ich sitze im Garten unter Laub und Rosen. In der Küche wäscht die Waschmaschine. Gestern sah ich einen Waschmaschinenverkäufer in Montana im Jahre 1923. Die Duttons reiten mit Pferden oder fahren mit der Pferdekutsche in die Stadt, während um sie herum bereits der Automobilverkehr braust und hupt. Ein Hund kläfft, einer dieser kleinen Jiffel, die einem nicht einmal bis ans Knie reichen, dafür in die Handtasche passen oder ins Handschuhfach. (Das Wort Jiffel verdanke ich D, die gestern Geburtstag hatte. Ebenso das Wort Pitzelwasser für Sprudel.)
Beim Schreiben oder durch das Schreiben kann ich mich beruhigen. Gestern saß ich am Rande eines Biergartens, trank ein Helles und schrieb ins Tagebuch. Da landete vor mir im Abstand einer Armlänge eine Krähe auf dem Tisch und sah zu. Krähen wollen ständig lernen. Der Hund am Nachbartisch ärgerte sich, er riß an der Leine und bellte. Dadurch verschüttete sein Besitzer das Bier und schimpfte: „Was ist denn nun schon wieder los?“ Ich erklärte es. „Hier saß eine Krähe auf dem Tisch, mich hat sie auch erschreckt.“
Meditation findet statt, wenn der Geist das Gehirn zur Ruhe bringt. Es kann dauern, bis es endlich schweigt. Das Hirn ist unser vorlautestes Organ. Da es die Wirklichkeit nicht nur nachbildet, sondern auch konstruiert, empfindet es Stolz und Allzuständigkeit. Meditation ist auch der Übergang in reines Bemerken – ohne zu bewerten. Auch ohne Nähe oder Ferne herstellen zu wollen. Ich bin nicht der Wind, aber ich spüre ihn. Ich bin nicht mein Gefühl, doch ich bemerke es. Ich möchte diesen Beitrag Die Unaufgeregtheit nennen.
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