Die Kapuze über der Kapuze

Was soll das sein – Literatur. Literatur sind Buchstaben, aufgestellt in langen Reihen. Jemand der lebt, hat sie aufgestellt. Vielleicht ist er auch schon tot. Jemand der lebt, liest sie. Tote Buchstaben zu Leben erwecken, das heißt lesen. Leben zu toten Buchstaben aufstellen, wie Grabsteine, das heißt schreiben. Endlose Grabreihen auf unzähligen Friedhöfen. Zwischen den Reihen äsen Rehe, Farnkraut wuchert, und ich wäre jetzt gern in Wien. Ich lese eigene Grabsteinreihen, fühle sie kalt und tot. Lust, mit einer Bohrmaschine ein Loch in einen dieser Steine zu fauchen und durch die entstandene Lochöffnung auf die Friedhofshecke zu schauen, ob ich da ein Nest entdecke.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Die Kapuze über der Kapuze

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert