Steht man am Bahnsteig, wartet auf einen Zug nach sonstwo, und ein Güterzug brettert durch, beginnt man vielleicht nicht zu verstehen, aber immerhin zu spüren, was los ist. Machtvolles Getöse, Gerappel, Geschepper. Die Gleise schreien vor Belastung, der Fahrtwind bläst einen zurück. Ich versuche, die einzelnen Waggons zu zählen, bei achtzehn gebe ich auf. Später dann im Zug meiner Wahl die distinguierten Menschen im Leisemodus ihres Privat- und Geschäftslebens. Das ist die andere Welt, die von jener der Lastzüge wenig weiß. Ich möchte beim Bild des donnernden Güterzugs bleiben, der an mir vorbeigerauscht ist. Was für eine Kraft, was für eine Gewalt. Sie reißt die Stille entzwei wie ein Fetzentuch.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.