Erbschaft antreten

Idee der Erbsünde. So wären wir verderbt von Anfang an, weil wir Menschen sind und als Menschen Nachfolger des ersten Menschen, dessen Sünde darin bestanden haben soll, erkennend sein zu wollen, also notfalls abtrünnig?

Daß wir auf irgendeine Weise im Verlauf unseres individuellen Lebens schuldig werden, ob wir es wollen oder nicht, leuchtet dagegen ein. Die Entscheidung für ist eine Entscheidung gegen, wir können es nicht allen recht machen, selbst wenn wir wollten. Wir dürfen und wir müssen irren.

Die Erbschuld des Menschen erstatten zu lassen von Jesus Christus ist mir unangenehm. Er soll nicht stellvertretend für mich leiden oder sich töten lassen. Ich möchte solches Opfer nicht annehmen, wie groß es auch sein mag. Lieber trete ich selbst vor Gott. Ich tue das nicht selten.

Daß andere anders über derlei denken, kommt mir gelegen. Lerne ich doch dieser Zeit, daß der Widerstreit gepflegt werden kann und sollte. Zur Erbsünde habe ich vorrangig diese Frage: Tut sie den Menschen gut, befördert sie eine gesunde Entwicklung, hilft sie heilen? Anders herum: Schadet sie, reißt sie Wunden, läßt sie verzweifeln? Macht sie klein?

Wir sind sämtlich Gottes Töchter oder Söhne, sofern wir eine sinnvolle Idee von Gott hinbekommen. Daß die Menschen in ihrem Organisationsbedürfnis, das auf Gruppenbildung, also Einschluß und Ausschluß beruht, ausgerechnet Gott kapern wollen, ist ein Skandal und beschämend banal. Die Kirchen schämen sich seit Jahrhunderten – ebenso die Gegenkirchen.


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