Dieses innere Frieren während der kalten Jahreszeit. Es läßt sich nicht dagegen anessen. Manchmal hilft ein warmes Bad, der Besuch einer Sauna. Die dauernde Kälte demoralisiert mich. Der Blick aus dem Fenster versöhnt – Neuschnee, rein und weiß. Man müßte etwas tun. Stattdessen elf Stunden Schlaf, ununterbrochen, wie nach einer Strapaze. Darin ein Alptraum, da ich zu einem weitverzweigten Forscherteam gehörte, das sich mit dem Werk von Georges Matan auseinanderzusetzen vorgenommen hatte. Ich verstand nur Bahnhof, wußte nicht, was von mir verlangt wurde. Immerhin sollte es Geld geben. Doch wer war dieser Georges Matan? Ein Historiker, hieß es, der mit seinen Arbeiten die Geschichtsschreibung zum Ersten Weltkrieg revolutioniert hatte. Das Forschungsvorhaben war groß angelegt, die Organisationskrake hatte bereits ihre Fang- und Schlingarme ausgestreckt. Prozeßplanung, Zielvereinbarungen, Organigramme, Ablaufschemata, Monitoring, Meetings, Präsentationen, Fördermittel, Finanzierung. Das komplette Arsenal an Unverzichtbarkeit. Schlecht gelaunt erwacht, und zugleich froh, nur der zu sein, der ich bin. Schneit es noch?
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.