Während der Fahrt mit der Schnellbahn sah ich aus dem Seitenfenster einen schmalen Stahlrohrstuhl mit schaumstoffgepolstertem Sitz und Kunststoffbezug am Rande des Gleisbetts stehen, den ich zuvor dort nicht gesehen hatte. Er stand unter einer Brücke, die als Straßenüberführung die Gleisanlagen kreuzt. Wer wird dort sitzen oder gesessen haben? Jemand, der den Zügen nachsieht; jemand, der sie zählt und in eine Liste einträgt, damit Ordnung einkehrt oder sich bestätigt im eigenen, unruhigen Kopf. Ein Mann oder eine Frau? Ich beließ es bei der losen Idee, mußte kurz darauf aussteigen. Keinen falschen Tiefsinn erzeugen, keine Geschichten ohne einen wahren Kern. Hier in der sehr großen und weitläufigen Stadt stehen im sogenannten öffentlichen Raum ständig und überall ausrangierte Dinge herum, weggemüllt, verachtet, auf solche Weise beinahe entehrt. Man muß sich nichts dabei denken, kann aber. Sie besitzen eine Geschichte. Existiert eine Würde des Gegenstands? Das weiß ich nicht. Wessen Würde wäre das? Was sucht dieser bestimmte und auserwählte Stuhl unter der Brücke, wie lautet dessen Geschichte oder die seines letzten Weges an die Gleise? Gewiß ist das nicht wichtig. Ja. Doch warum eigentlich nicht?
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