Unabhängig abhängig

Wir sind keine Gruppenwesen? Und wie wir solche sind! Nur deshalb fallen die Einzelgänger, die Ausgestoßenen, die Vereinsamten auf. Fast scheinen sie zu riechen. Jedenfalls wendet man sich ab. Dies zu erleiden, erdulden zu müssen möchte man niemandem wünschen, und zugleich wäre es nötig. Sonst versteht man schwer.

Wer einen Menschen zu zerstören trachtet, schließt ihn aus, verbannt ihn (in ein Exil). Mit dem reden wir nicht, sagen sie dann. Sie sind die, die mit einem solchen nicht reden und sich damit wohlbefinden und im Einklang der Meinung. Ekelhaft ist das schon, zugleich schändlich – allerdings tief verankert in der Geschichte des Menschen und der Kulturen.

Gruppen sind gekennzeichnet durch Zugehörigkeit und nolens volens (nichtwollend wollend) durch Ausschluß. Daß der politische Kitsch anderes behauptet, liegt in dessen Feld. Nicht dazugehören zu müssen ist andererseits ein Ausweis der Freiheit, nämlich der, jederzeit gehen zu können. Dabei sind Bindungen etwas Schönes und Warmes, oder können es sein.

Zwischen Realistik und Romantik (als „qualitative Potenzierung“ des Wirklichen im Sinne Novalis‘) wechselnd lebe ich meine Tage inmitten des Quantitativen und seiner Anhänger, halb Teil der unterschiedlichen Gruppen, denen ich anzugehören scheine, teils nicht.


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