Man will denken, aber dann doch lieber nicht. Ein Stück weit zu denken ist schön und angenehm; es fühlt sich gut an, dabei mitzumachen, aber dann reicht es auch schon wieder; dann biegt man ab und gelangt in den beruhigten Bereich, wohin von Anfang an offenbar zu manövrieren war und weshalb die Denkbewegung vollzogen werden mußte, nämlich um sich und die Seinen in Sicherheit zu bringen. Denken als Tagesausflug. Ich unterstelle, daß die meisten denken, um es sich anschließend gemütlich machen zu können (oder auch gleich und von Anfang an zur Verteidigung). Man läßt sich prüfen, vom Leben, von einer Kommission, einer Redaktion, gibt ab und freut sich, wenn es angenommen wurde. Das geht Station für Station. Man möchte ankommen, sich einrichten, etwas gelten. Später gibt es Preise (Positionen) dafür, unweigerlich fliegen die Angebote ein. Man fühlt sich bestätigt, wird zum Sprecher nicht nur seiner selbst, sondern neuerdings und vermehrt auch für andere. Man genießt Vertrauen, es wird mit einem gerechnet. Man wird zum Denker, der nicht mehr frei denkt. Wie aber heißt solches Denken, das nicht mehr frei denkt, sondern sich in Bahnen und Kreise lenkt? Es ist spät, mir fällt kein Wort dafür ein – nur diese lose zusammengetackerte Überschrift.
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