Das innere und äußere Lexikon

Während des Studiums lernten wir, die Bedeutung eines Wortes bestimme sich durch seinen Gebrauch. So lautete der pragmatische Ansatz, der sich keinen Ärger einfangen mochte. Für mich war das unbefriedigend. Wollte man der Sprache und dem Sprechen auf den Grund gehen, so dachte ich, müßte man sich der Wortbedeutungslehre widmen und sie etymologisch grundieren, um sie erstdann am aktuellen Sprachgeschehen zu schärfen. Ich wurde enttäuscht. Die Semantik kapitulierte vor der Pragmatik (Wortverwendungslehre). Dogma: Es gibt keine eigentliche Wortbedeutung, sie fließt und ist flexibel. Einverstanden hinsichtlich der Veränderungen und Bedeutungsverschiebungen, jedoch nicht als Dogma. Es gibt neben dem sprachlichen Sturz nach vorn, der Offensive, auch die Bemühung um eine Rückversicherung des Sprechens und Schreibens nach einem Eigentlichen, nach einem Ursprung, einem Halt. Daher gibt es Wörterbücher. Die soll man niemandem opfern. Ob Wörterbücher rechthaben? Was für eine Frage! Wörterbücher sind Verzeichnisse, einstweilige Auskünfte, bestmöglich erstellt. Ideologie hat dort wenig Platz. Deshalb möchte sie mehr.


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