Texte klingt nach Rascheln, nach Papier, nach Schlaubergerei. Textur ist Gewebe. Man kennt Textilien. Ist doch gut. Die französischen Intellektuellen haben sich am Begriff aufgehängt und etwas Geheimnisvolles hineingehext. Solches geschah zur Hochzeit der Semiotik, der Lehre von den Zeichen und ihrer Verwendung. Es gab Strömungen und Gegenströmungen wie stets. Doch was umströmten sie und in welche Richtung, vor allem wozu? Niemand versteht den Ingrimm der Beteiligten einer abgegoltenen literatur- und kulturwissenschaftlichen Debatte. Kann uns das ermutigen, die derzeitigen zu führen? Ich antworte für mich selbst, indem ich vor dem Wahrheitsgehalt sämtlicher Argumente sämtlicher Seiten in die Knie gehe und Amen sage. Ihr mich auch, in alle Richtungen. Seit ich weiß, wie ich reagieren werde, lebe ich freier als jemals zuvor. Wie schrieb Brecht an sein Jugendzimmer, dem Sinn nach doch etwa so: Komm‘ gern herein, aber leg‘ zuvor deine Vorurteile ab. Da war er jung und im Vollbesitz seiner analytischen Fähigkeit.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.