Wieder in der Bahn. Ich verbringe dort Tage und Jahre. Eine Schulklasse, sechste oder siebte, lärmt fröhlich. Zehn, fünfzehn Schüler, die Lehrerin ist auch dabei. Die fühlt sich verpflichtet, einige zu ermahnen, die nicht ausreichend Rücksicht nehmen, ausladend gestikulieren, zu laut sprechen oder lachen. Die Jungen kommen bald in den Stimmbruch, die Mädchen bereiten sich auf das Frausein vor. Sie stehen in Gruppen, dort die Mädchen, hier die Jungen. Die Lehrerin will nicht, daß sie ihre Smartphones benutzen. Nein, das läßt du schön in der Tasche, warnt sie. Der Schüler gehorcht und grinst verlegen. Sie vertreiben sich mit Gesprächen und Neckereien die Fahrtzeit. Da kommt der Bettler herein, trägt eine zerrissene Jeans, einen älteren Bundeswehrparka mit abgerissenen Armaufnähern, einen Rucksack, mehrere Tüten, ausgelatschte Schuhe, ist unrasiert und ein wenig schmutzig. Er nennt seinen Namen und bittet um etwas Kleingeld, damit er seine Sachen waschen kann. Die Schüler wenden sich um und sehen ihn an und hören aufmerksam zu. Ihre Gesichter, ihre Blicke. Nun kommt er näher, passiert die Gruppe. Zwei der Schüler, ein Mädchen und ein Junge, werfen Münzen in seinen Pappbecher. Er nickt und dankt. Ich habe kein Kleingeld, entschuldigt sich eine Schülerin. Eugenie, du hättest ihm deinen Apfelrest geben können, vielleicht hätte er sich dann gefreut, sagt ein Schüler. Die betrachtet ihren angebissenen Apfel, zögert einen Augenblick, sagt dann: Hm, ich glaube nicht. Ihre Freundinnen sind nun in Gedanken. Ein Junge erzählt, daß er immer etwas gibt, wenn er Kleingeld hat. Er hätte gerne etwas gegeben, aber seine Mutter hat ihm nur den Fünf-Euro-Schein eingesteckt, falls etwas ist. So fahren wir weiter. Sie haben noch nicht gelernt, auf die Gescheiterten herabzublicken. Sie haben gelernt, daß man den Armen geben soll.
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