Auf guten Geheiß den Film Victoria gesehen. Er spricht eine sehr alte Befürchtung an, deren Kehrreim man uns beibrachte: Übermut tut selten gut. Seit ich sie selbst erlebte und erlitt, seit ich weiß, was aus ihnen wird oder werden kann, wenn sie an den äußersten Rand gedrängt werden, habe ich sie wieder und wieder und zuletzt beinahe unwillig beobachtet und studiert: ‚die guten Jungs‘. Die guten Jungs sind jene, die nicht wissen, was sie tun. Wird schon gut gehen. Eben noch lustig, gleich schon tot. Ich hätte mir früher manchmal gewünscht, einer von ihnen zu sein. Doch ich war von Haus aus oder genetisch oder beides oder sonstwie verursacht: umsichtig. Abenteuern gegenüber aufgeschlossen, doch mit, wie ich meine, halbwegs kalkuliertem und kalkulierbarem Risiko. Andere werfen sich voll rein, und sicher gebührt ihnen mehr Sympathie. Seiltänzer ohne Netz. Während des Films dachte und fühlte ich mit Victoria und fragte mich: Wann wäre ich ausgestiegen? Vermutlich vor dem Café, vielleicht etwas später, während der Fahrt, vielleicht vor der Tiefgarage, spätestens danach. Alle Anzeichen stehen auf Unglück. Die guten Jungs wissen nicht, was sie tun. Sie können nicht das, was sie zu tun versuchen. Sie sind rührende Dilettanten mit großer Fresse und gutem Herzen. Alles geht schief, weil alles schiefgehen muß. Bezahlt wird mit Blut, wie denn sonst. Kleine schöne, romantische, dumme Menschlein im Geviert, in dem auch wir hängen. Einen tödlichen Fehler weiter als wir Vernünftigen. Die Drift einer Nacht. Dann ist es Morgen. Die Straßen in Mitte liegen grau und leer. Einen Weg einschlagen, irgendwohin. Victoria kann das, sie weiß nun genug.
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