Es ist gut, mit Freunden über das Wetter und das Licht zu sprechen – denn sonst sprächen wir über Verbrechen und Leichen, schlimmstenfalls. Die Sonne stöbert uns auf, wir können uns verkriechen, können es nicht. Der übliche Wirbel beginnt, das Putzen und Gärtnern, die Fahrradtouren, erste Grillstunden im Park. Vorgestern ein preisgekröntes Photo von Juan Medina aus dem Jahr 2007 betrachtet, es trägt den Titel Gestrandet. Ein Flüchtling kriecht mit erkennbar letzter Kraft auf den Strand von Lanzarote, weiter hinten liegen Urlauber in der Sonne. Heute über die große Völkerwanderung gelesen, den Einfall der Hunnen, die West- und Süddrift der Volksstämme. Ein gigantischer Wirbel, der Menschen zerstreut. Sie weichen aus, laufen auf, kämpfen, verlieren, wandern weiter, siegen, bleiben, siedeln, gründen. Irgendwo wird es einen Platz geben, den niemand für sich beansprucht, auf dem zu leben ist. Ein Willkommen gilt dem, der Nutzen verspricht. Kein Wunder, daß ich mich von der Geschichte abwenden mußte, dem großflächigen Morden auf allen Stockwerken der Jahrhunderte seit Beginn der Registrierung. Schlechte Zeit für Lyrik, schrieb Brecht. Wann war sie je gut genug für Gedichte, wäre zu fragen. Übrigens sind Gedichte wie Blumen, die auch dann noch gedeihen, wenn … Sie müssen sich gewachsen zeigen, sonst … Im Gedicht kämpft die Zeit gegen sich selbst.
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