Anfangs zögerlich und manierlich

Unfaßbar rührend, wenn ein richtiger Mensch vor mir steht, wir uns aber noch nicht kennen und deshalb anfangen, uns in den Verkleidungen der Konventionalität auszutauschen, um zunächst den Anschein zu erwecken, wir seien seriös, während wir doch in Wahrheit etwas vollkommen anderes sind, nämlich „Dilettanten des Wunders“ (Carl Einstein), also ein sogenanntes Geheimnis teilen, das darin besteht, daß wir wissen, was hier eigentlich los ist und wie irrsinnig die Geschäftigkeiten sind und was sie anrichten. Darin beweisen wir die hohe Kunst des alltäglichen Schauspielens in den Arenen der Wirklichkeiten, die sich zusammensetzen aus dem, was geglaubt und gezeigt wird. Wir mittendrin wie folgsame Anhänger eines Kultes, dessen Verderblichkeit längst erwiesen ist. Später lernen wir uns bessern und geraten in etliche Verzückungen. Das führt hinaus aus den Zwickmühlen und kann für sich stehen wie ein Baum oder eine Zeile aus einem wirklich guten Gedicht.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Anfangs zögerlich und manierlich

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert