Der harte Grund, auf dem wir liegen

Am Ende eines Tages zurückschauen. Viel passiert. Wie begann es denn? Es ist das Vorhaben dieses Tages, eine Mischung aus Programm und Fremdeinfluß, schwimmend auf den Gegebenheiten des Stromabschnitts, auf dem die Nußschale unterwegs ist, in der ich sitze und so tue, als sei ich Kapitän, Steuermann und Passagier in einer Person. Derart geblendet von der Illusion meiner Einflußmöglichkeiten machte ich mich auf den Weg und zur Arbeit und dachte nach über das Verhältnis von Ironie und Schönheit.

In der U-Bahn fühlte ich mich geborgen im Kokon aus Verzweiflung und Muß-ja-Tapferkeit. Im Vorortzug spielte der Akkordeonmann seine schmissigen Tagesparolen, die ich so satt habe, daß ich mich beschweren würde, wenn ich wüßte, wie. Er tut seinen Dienst am Blasebalg, ich den meinen sonstwo. Ich gehe den Leuten nicht auf die Eier, er schon. Doch die beiden Mädchen mir gegenüber, zwölf oder dreizehn Jahre alt, die freuten sich und spendeten ihm Applaus. Stolz ging er durch die aneinander gekoppelten Waggons und bekam auch etwas für das, was er jeden Tag auf dieser Strecke zu bieten pflegt.

Wenig später stieg der Gitarrenmann ein, den alle eklig und zudringlich finden. Er sang, bekam vielleicht zuwenig oder nichts und konnte diese Schmach nicht auf sich beruhen lassen und legte kräftig nach, intonierte „Einigkeit und Recht und Freiheit“, brach aber schnell wieder ab. Das treibt er so seit Wochen und denunziert, wie ich hörte, andere Bettler, nennt sie Junkie, weil er weiß, daß das ihren Stand dort verschlechtert, wo sie sich das holen, was sie benötigen, nämlich Geld. Konkurrenz ganz unten ist nicht weniger schlimm als jene weiter oben, in Wahrheit schlimmer. Da puffert nichts, da liegt oder schlägt der Körper unmittelbar auf.


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