Wie es sich anfühlt

Eine lange Zeit neben dem allgemeinen Leben mein eigenes verstecktes geführt. Eigentlich bis heute. Fürchtete ich mich? Mußte ich mich schützen, um in Ruhe reifen zu können? Wie ein Wein oder eine Orange. (Dabei mag ich das Verb nicht, legte es nie darauf an, einmal als gereift betrachtet zu werden. Nach reif kommt faul, sagte ich meinem Bruder, als der mir Unreife vorwarf. Ich war damals fünfzehn.) Mit einer Antwort ist derzeit nicht zu rechnen. Tatsächlich fürchtete ich die Zudringlichkeit der Verhältnisse, den Zangengriff der Normen, die zahllosen Verlockungen auf dem breit ausgebauten Weg der Konventionen. Ich habe mich aufgehoben und der Zustimmung enthalten, hielt mich abseits und suchte Pfade ins sinnvolle Innere des Lebens, meines Lebens. Das geschah weniger bewußt, als vielmehr instinktiv (falls dieses Wort an dieser Stelle etwas zu zeigen vermag). Deutlich ist mir, daß ich von etwas voll und ganz überzeugt sein muß. Jemand nannte das einmal das Unbedingte an mir. Ich grüße herzlich. Gut zu erkennen sind die verschiedenen Selbstbegeisterungsversuche der Aktiven und Aktivisten. Sie überreden sich erfolgreich zu zahllosen Handlungen, deren Sinn mir nicht einleuchten muß. Menschen neigen zu Überzeugungen. Ich nur zu einer: Was sich gut anfühlt, ist auch gut.


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