Warum überhaupt besser, reicht gut nicht? Wozu dienen die Vergleiche? Zur Positionsbestimmung in der Affenhorde. Das nicht festgestellte Tier sucht Ort, Rang und Aufgabe. Vor vielen Jahren beobachtete ich die Pavianhorde im Zoo. Sie umrundete den Affenfelsen, setzte sich hin, lauste sich, stritt sich. Vorne weg der Chef, ein alter Silberrücken, der alle Hände voll damit zu tun hatte, freche Konkurrenten wegzubeißen, die sich seinem Harem nähern wollten. Es schien um Zentimeter zu gehen. Er tat mir leid, war vermutlich das bedauernswerteste Tierindividuum weit und breit. Von seiner Aufgabe voll und ganz in Anspruch genommen, mußte er zusätzlich noch repräsentieren. So setzte er sich dort vorn und oben in Positur, schob sein Kinn vor, entblößte die langen, gefährlichen Zähne, zeigte sich auch von hinten, spreizte die Schulterblätter, führte einen Scheinangriff auf einen jüngeren Pavianmann durch, der entsetzt zur Seite wich, während ein anderer Kollege gerade am Hinterteil der nächstsitzenden Affendame aus dem Harem schnüffelte. Der Chef kann seine Augen nicht überall haben. Hinter seinem gewaltigen Rücken werden Nummern geschoben. Da ist es günstig, wenn ein anderer ihn ablenkt. Die jüngeren Konkurrenten wissen nicht wirklich, was sie sich aufhalsen, wenn sie ihn dereinst zur Seite schubsen oder totbeißen und damit die Führung der Rasselbande übernehmen. Wüßten sie es, sie würden entsetzt abwinken und einen anderen Idioten vorlassen, der sich noch nicht gut genug fühlt.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.