Sitzen zwei mit Gips

Vor der Eisdiele ein kniehohes Blumenbeet mit Einfriedung und aufgelegten Steinplatten. Zur Not kann man darauf sitzen. Ich komme aus der U-Bahn und gehe daran vorbei. Sitzen auf den Steinplatten zwei rotgesichtige Männer mittleren Alters und grinsen wie Zwillinge. Sie sind keine Zwillinge, doch sehen sie sich ähnlich. Jeder der beiden trägt einen Unterarm im Gipsverband. Der von mir aus rechts Sitzende hält seinen linken Gipsarm nach links, der von mir aus links Sitzende hält seinen rechten Gipsarm nach rechts. Achsensymmetrisch sitzen sie vor der Eisdiele und strahlen über das ganze Gesicht. Sie könnten auf einem Wappen erscheinen als Verkörperungen des erfolgreich geschienten Unterarmbruchs. Sicher gibt es eine Geschichte ihrer beider Unfälle oder Mißgeschicke. Doch warum sind sie dort zur gleichen Zeit? Rätselhafte Angelegenheit. Man müßte eine Geschichte dazu hören, finden oder erfinden. Sie sitzen und grinsen mich an, als seien sie stolz oder hätten eine gute Nachricht für mich oder einen der anderen, die mit mir aus der Bahn steigen und nun weitergehen, an ihnen vorüber. Vielleicht haben sie kurz zuvor ein Eis gegessen. Der Rechte mit der linken, der Linke mit der rechten Hand (aus meiner Sicht umgekehrt). Gips und Eis, Eis und Gips. Leider muß ich weiter. Ich würde sie gerne fragen. Sie sind glücklich, trotz Gipsarm. Das ist gut, das beruhigt mich. Die Symmetrie verstört mich, ich komme gar nicht darüber hinweg.


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