Meinungsaustausch der vielen Strategen auf den Kommentarseiten der Magazine zum Treffen von Putin und Obama. Was wir nicht wissen, was die beiden Staatenlenker sogenannter Supermächte nicht wissen, das wissen die Kommentatoren mit ihren Aliasnamen, unter denen sie öffentlich Bescheid geben. Wie soll es weitergehen in Syrien, so die Frage. Gegenfragen: Was ist Syrien? Wie kam Syrien zustande? Was bedeutet Arabische Republik? Wen repräsentiert die Baath-Partei? Wer kommt nach Assad, wer begehrt mit welchem Recht und Anspruch gegen ihn auf? Welche Vergehen werden ihm nachgewiesen, aus welchem Grund wird die nächste Regierung besser? Welche Rolle spielt Syrien im Machtpoker des Nahen Ostens? Welche Interessen verfolgen die beiden selbst- und fremdernannten Supermächte? Ich frage gar nicht erst nach einer europäischen Position. Syrien war französisches Mandatsgebiet. Die Baath-Partei hat „Einheit, Freiheit, Sozialismus“ auf ihre Fahnen geschrieben und strebte einmal dem Vernehmen nach eine gesamtarabische Führung an: weltlich orientiert. Schwierige Geschichte, verwirrende Situation. Was reitet Putin, dort punkten zu wollen? Die verbindende Idee eines Sozialismus, der doch in Rußland prominent scheiterte? Syrien wird zum Schlüssel russisch-amerikanischer Wiederannäherung. Ein gemeinsamer Feind ist gefunden. Das stiftet Zusammenhalt und schmiedet Bündnisse. Bald werden sie von Freundschaft sprechen. Inzwischen verstreicht eine Schamfrist. Europa hat den Deal hoffentlich miteingefädelt. Wenn nicht, wurde abermals geschlafen. Visionen sind in der Politik verdächtig, laut Helmut Schmidt. Keine Ideen, also keine Vorstellung zu haben scheint ebenfalls nicht auszureichen. Was kann ein Realist zu Syrien und dem ‚Islamischen Staat‘ sagen? Schmidt würde sagen: Sympathisch sind die natürlich nicht, aber ich möchte doch anmerken, daß … Dafür lieben ihn die Leute. Hanseatischer Pragmatismus als Schritt-für-Schritt-Variante großer Politik. Die beiden Hauptdarsteller werden sich davon nicht beeindrucken lassen, denn ihre Arbeits- und Entscheidungsleistung liegt deutlich höher. Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht, mehr als zweihunderttausend starben in Syrien. 21 Millionen Einwohner lebten in Syrien, ein Fünftel ist bisher geflohen (Daten vom Juni 2015). Das ist ein Bruchteil der Lage. Die Regierungstruppen regieren nur noch einen kleinen Teil des Landes, haben sich zurückgezogen auf einen imaginären inneren Bereich. Wer regiert Syrien? Was ist das überhaupt noch? Da kommen diese wilden Kommentatoren und wissen Bescheid über Obama und Putin und äußern sich schnellhin auch noch zur „Flüchtlingsfrage“. Sie trauen sich sehr viel zu, mehr als diejenigen, die ein wenig tun könnten.
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