Aber wie sah er aus, der „Blutmond“? Hätte ich es nicht gewußt und wäre nachtaktiv und ahnungslos auf die Straße gegangen – er hätte mich in Schrecken versetzt. Er stand dort im Himmel wie ein böses Omen. Was ihn sichtbar hielt im Kernschatten der Erde, war gebrochenes und verstreutes Licht aus der Erdatmosphäre. Diesmal gaben wir ihm. Farblich ähnelte er einer Pflaume, auf der schon länger herumgekaut worden ist, oder als hätte man in einer Schale Asche mit Blut verrührt. Die Magazine sind voller Photographien der letzten Nacht, doch ich finde keines, das meinen Eindruck wiedergibt. Das liegt an den Vergrößerungen. Er wirkte zurückgesetzt oder halb ausgeschaltet. Ich dachte an ein inneres Glimmen, als müsse er demnächst gezündet werden oder für alle Zeit verlöschen. Sah ich ein Bild des Zorns? Ich kann mich nicht entscheiden. Vielleicht sah ich eine zornige Hilflosigkeit, die in die Traurigkeit, wenn nicht völlige Hoffnungslosigkeit abgerutscht ist. Etwas Ungutes, Zerstörtes. Als sei er entlassen worden und verende vor aller Augen. Solche Eindrücke sind schwer zu fassen. Er wirkte stark auf die Stimmung ein, senkte sie mit seltsamer Macht, glich damit jedoch aus. Nachdenklich lief ich nach Haus und suchte lange, ehe ich meinen Schlaf fand. Derweil gewann der Mond seine volle Pracht zurück und steht nun nicht länger in unserem Schatten.
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