Sich gut lügen

Was ich dagegen verstehe, ist, daß ein Mensch sich die Wirklichkeit annehmbar zu machen versucht. Dem dient vieles. So wie wir bemüht sind, uns vom Vorteil unseres unausgesetzten Weiterlebens zu überzeugen. Es gibt Gegengründe, doch wir ignorieren sie. Leben ist ignorant, sonst wäre es nicht. Wer Hunger hat, ißt. Wer verspeist, tötet. Wer liebt, mißachtet. Wer wählt, verwirft. Darin liegt die Schuld des pochenden und pulsenden Lebens, das sich an diesen Punkten nicht rücksichtsvoll erweisen kann. Sich diesbezüglich belügen zu dürfen ist nur möglich, wenn Grundbedingungen der Existenz derart gesichert scheinen, daß sie als gegeben und garantiert angesehen werden. Sie sind es nicht. Man kann sich in Illusionen kleiden. Sie hüllen ein und verschleiern, das ist ihre wichtigste Aufgabe im Dienste des Lebens. Ich möchte  keinen erneuerten Vitalismus anbieten oder empfehlen, sondern lediglich darauf hinweisen, daß es unredlich ist, sich gut zu lügen.


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