Und immer wieder die bessere Welt

Kritik muß Platz schaffen und richtigstellen, sonst ist sie beliebige Nörgelei. Als Kinder der kritischen Generation lernten wir an Schule und Universität erst das Kritisieren, dann das Verstehen. Bevor wir etwas verstehen durften, kritisierten wir es bereits. Kritisieren hieß damals verstehen. Am Historischen Seminar in Hamburg fanden wir Leopold Ranke antiquiert und völlig unhaltbar, doch ohne ihn, den Begründer der modernen, quellenkritischen Geschichtswissenschaft, hätte niemand von uns dort sitzen und reden können. Gut, wir waren Anfang zwanzig und reichlich aufgeblasen.

Die generationelle Vorgängerkohorte gab im erzieherischen Eifer an uns das weiter, was ihr als das Wichtigste erschienen war: die kritische Grundhaltung gegenüber Autoritäten, Traditionen und Formeln. Sie war ganz verhext von dieser Wunderwaffe, mit der sie sich gegen das Schweigen, die Verdrängung und sogar die Verbrechen zur Wehr gesetzt hatte. Nun waren sie, die man später die Achtundsechziger nannte, Lehrer an Schulen und Hochschulen und impften uns in ihrem Geist. Sie wollten uns verpflichten.

So treibt es jede Generation und scheitert damit, zum Glück. Das Leben ist kein Staffellauf, oder wenn es einer ist, fällt die Fackel recht oft zu Boden, wird vergessen, erlischt und wird ein Vergessen später wiederentdeckt und neu entfacht. Die Kritik der Weltverhältnisse (politisch, sozialökonomisch und ökologisch) hat eine neue Generation übernommen, deren Naivität und Enthusiasmus das Gegenbild zum Zynismus und dem kalten Professionalismus der kapitalen Entscheider ist, die darüber nachdenken, wie sie diese jungen Idealisten werden einkaufen können. Veränderungen gibt es nur mit, nicht gegen uns, vermitteln sie gesprächsbereit und werbend. (Die bessere Welt will auch Hugh Grant von Monsanto, nur nicht ohne Monsanto.)


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