Nachtgedanken, Taggedanken, gar keine Gedanken

Endlich wieder Nacht, brüllte der alkoholisierte Dichterfürst aus dem Reservat. Bei Tag zerfallen wir zu Staub, sagte die Archivarin des guten Gefühls. Meide die Nacht (Avoid City after Dark), singt Cat Stevens, geboren als Steven Demetre Georgiou, in seiner Rolle als Yusuf Islam. Er hat anderen bereits früher gern Vorschriften gemacht und seinen Geliebten das Leben erklärt.

Tagsüber sieht man besser, nachts und bei Dunkelheit springen die anderen Sinne helfend ein. Es wird kaum mehr gearbeitet, der Geist dehnt sich aus, die Gedanken bekommen Raum. In der Nacht lebt sich die Sünde aus, geben die Strenggläubigen zu bedenken. (Im Dunkeln munkeln. Gott sei bei uns, dann möge es geschehen. Ganz schlimm kann es nicht werden, stehen ja genug Aufpasser herum.)

Das Tagdenken bindet, das Nachtdenken befreit sich daraus. Unterschiedliche Anschlüsse, unterschiedliche Richtungen.

Die Eule weiß mehr als die Lerche. Woher willst du das wissen? empört sich die Lerche. Ich kann Gedanken lesen, sagt die Eule. Ich habe gar keine, sagt die Lerche bescheiden. Doch, hast du, sagt die Eule. Und welche sollen das sein? fragt die Lerche. Du fürchtest dich vor mir, sagt die Eule, du denkst gerade angestrengt darüber nach, wie du aus diesem Text herauskommst. Die Lerche sagt: Aber das ist doch ganz einfach. Ich fliege einfach raus. Die Eule verneigt sich höflich: Siehst du.


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