Wie es jeweils aussieht

Manche sind klug und sehen die finsteren Gedanken und üblen Stimmungen als unvermeidbare Zwischenfälle an. Sie lassen sie am Wegesrand liegen wie Müll. Nirgendwo schenkt man Müll besondere Aufmerksamkeit, außer in Deutschland. Man möchte ihn loswerden, das ist alles. Nur die Ärmsten stochern dort nach Brauchbarem. Über den dampfenden Müllkippen kreisen die Möwen und kreischen schrill.

Ich bin in den letzten Jahren etwas heller geworden. Jedenfalls sagte ich das mehrfach. Aber hin und wieder erwische ich noch eine dunkle Strömung oder sie erwischt mich. Dann ist mir, als solle ich gequält werden, als sei es doch noch nicht vorbei mit der wilden Schwermut, als stünde in jedem Augenblick alles auf dem Spiel. So wie früher, als man unbewohnbar war wie ein von Granatwerfern durchlöchertes Haus im Grenzgebiet verfeindeter Mächte. Deren Parolen auf der Hauswand. Lang lebe dieses, nieder mit jenem.

Allmählich wird es besser. Nur Erschöpfung zwingt mich nieder. Noch immer folge ich den Wegen hinunter, als lägen die Schätze tief unten im Meer oder in einem vergessenen Brunnenschacht. Noch stets tauchte ich erfrischt oben wieder auf. Solche Phasen kommen wie das Wetter. Ich bin froh, daß ich sie nicht voraussehen kann. Über Meer und Land hängt ein fetter schiefer Mond, der sich an uns vollfrißt. Könnte man sagen, muß man aber nicht. Als ich ihn sah, dachte ich: Ach so. Jetzt finde ich es billig, ihm alles in die Schuhe zu schieben.

Morgen ist Sonntag und die Sonne wird scheinen, offen oder verdeckt. Leichte Träume wünsche ich mir unter diesem wachsenden Mond. Ziemlich verwegen. Mit Müll hat es eigentlich nichts zu tun, worüber ich schreiben wollte. Es geht nicht um Erinnerungen oder alte Bilder, sondern um neuen Mut und den nötigen Proviant. Bald kommt der Winter eingerückt, da sieht man sich im Keller um. Ich muß nicht darüber schreiben, aber ich mag.


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