Gehweg entlang. Augen geradeaus, kurz nach links, wo Leute angehupt werden, weil sie die Straße überqueren. Rechts der Drogeriemarkt mit dem Pferd, weil der Gründer oder Betreiber etwas mit Roß heißt. In Blickweite der Textildiscounter mit Produkten, die von Armen für Arme gefertigt werden. (Die Relationen sind relativ zum Standard, das Absolute ist ortsungebunden wie die wandernde Luft.) Von links kommt Gefahr: ein unbekanntes, sogleich erkanntes Flugobjekt trudelt und zappelt flügelschlagend in der Luft. Wir sehen uns an, Taube und ich. Eine Art Panik des Erkennens. Sie rudert mit den Armen, die gar keine Arme sind. Ich ducke mich, drehe ab, gehe in Deckung, halte meinen rechten Arm schützend vors Gesicht. Sie schlägt wild mit den Flügeln, hat sich beim Überqueren der Straßenschneise offenbar verschätzt: ich bin ihr in die schlecht berechnete Flugbahn gelaufen, sie ist mir in meinen durch ein Vorkommnis auf der Straße abgelenkten Gehweg geflogen. Nun müssen wir tanzen. Wir können das, weil wir müssen. Unsere Ansprüche sind gering und keiner hat Recht. Sie zappelt einen langen Augenblick vor meinem Gesicht (ihre runden Augen), lange genug, um mich zu erinnern, daß ich einmal eine Taubenphobie hatte, wenn nicht eine gegen Flatterndes im allgemeinen, also Vögel. Dabei schätze ich Vögel. Doch nur solange, wie sie Abstand halten oder ich ihn halten kann. Vor einem Imbiß sitzen die Fußballgucker, auf den Einfriedungen der Baumbeete die Bewohner, Nachbarn und Bekannten der Häuser, vor denen unser Tanz stattfindet. Niemand schaut zu, keiner lacht oder gibt Applaus. Ich gehe weiter, Taube fliegt fort. Ich sortiere meine phobischen Gesichtszüge. Nach zwanzig Schritten fällt die Grimasse ab. Was für ein mißlungen schöner Auftritt, wäre er nicht so altertümlich angstvoll.
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