Verfolgter Verfolger

Er wollte pinkeln, das fällt ihm jetzt wieder ein. Die Rinne, in die man sich entleeren kann, ist zwischen den Hauswänden angeschraubt und führt in eine Grube im Hinterhof. Dort laufen Hühner herum, dort hängt auch Wäsche. Der schmale Gang ist mit einer Bretterwand zur Straße hin geschützt. Jeremiah denkt über die drei gesattelten Pferde nach. Als er wieder auf der Straße steht, sieht er, daß die Kutsche in die Seitenstraße zur Schmiede rollt. Drei Reiter jagen im Galopp aus der Stadt, der Sheriff sieht ihnen eine Weile nach, kehrt dann zurück in sein Büro. Aus dem Schankraum dringt Klaviermusik. Jeremiah späht über die Schwingtür ins Innere. Die Frau mit der Rifle ist es, die spielt. Etwas Melodramatisches, er kennt das Stück. Es handelt es von Sehnsucht und dem Liebsten in der Ferne, der dem Kriegsgeschäft nachgeht, während die Frau dazu verurteilt ist, zu warten und zu beten. Der Bürgerkrieg hat alles verändert, Jeremiah war dreizehn, als er begann. Niemand spricht gern darüber, nur die Schreibtischleute und Redner tun es. Sie sollten sich schämen. Jeremiah möchte weiter noch nach Westen. Vielleicht eine kleine Farm. Er hat etwas Geld in die Satteltaschen eingenäht und spielt recht passabel Karten. Er hat gehofft, der Sheriff hätte einen Auftrag für ihn: irgendein armes Schwein einzufangen und in die Stadt zu schleifen. Die Prämien sind in Ordnung. Doch davon kann nun keine Rede mehr sein, Kaufhold wird mit dem Sheriff sprechen. Die Einschätzung dieses lächerlichen Schreibers kann den Ausschlag geben. Jeremiahs Pferd steht beim Hufschmied. Bald wird er der Verfolgte sein.


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