Stille Nacht. Wir sind den Fußball los. Früher war ich einer von denen, die nicht genug bekommen können davon. Gier des Kindes, für den ein Mehr stets gut ist, da es wächst. Jetzt bin ich froh, daß es vorbei ist. Vielleicht hätte ich lieber Antoine Griezmann jubeln gesehen, aber der Abend bleibt in Erinnerung als verdienter und erkämpfter Sieg einer Mannschaft ohne ihren Haupt- und Selbstdarsteller. Im nächsten Sommer ist Ruhe, anschließend empfängt Rußland zum Weltturnier. Wir Fußballzuschauer haben nun unser Leben zurück und die anderen bekommen uns wieder ganz. (Nicht so aufgeteilt und hingehängt zwischen zwei Partien wie Wäsche auf der Leine zum Trocknen.) Wenn ich in zwei Jahren etwas weiter bin in meiner persönlichen Entwicklung, werde ich vielleicht gar nicht mehr schauen und stattdessen in stillen und schattigen Cafés sitzen zwischen Fußballmuffeln und verfeinerten Kulturmenschen. Fußball ist ein recht grobes und auch lautes Vergnügen, ein Volkssport eben. Jeder kann mitreden, nicht jeder kann spielen. Darin ähnelt er der Politik. Eigentlich ist Fußball Politik, aber das bestreiten die meisten. Sie wissen warum.
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