Überbackenes Sonntagsallerlei aus Resten

Ins Getümmel und vergessen. Sich mit Arbeit zuschaufeln, bis man darin erstickt, um so zu erleben, daß man nicht ersticken möchte. Sich beschäftigt halten mit Terminen und Verabredungen, und abends schnell noch ins Kino, zur Not tut’s auch Bond. Nur diese schmerzhaften Stunden mit sich selbst vermeiden, in denen sich etwas löst und aufsteigt und Besitz ergreift. Etwas von so umfassender Negativität, daß es jeder Beschreibung spottet. Etwas von der Größe eines Gegenprinzips, eines gewaltigen Dementis. – Andere scheinen niemals verzweifelt zu sein. Vielleicht fällt ihnen jedesmal, wenn Ungemach aufzieht, im letzten Moment ein guter Satz ein, mit dem sie sich heil über den Abgrund schwingen, ein Zauberspruch. Vielleicht lenken sie sich gekonnter ab, kennen die helleren Orte oder haben das Kinoprogramm besser studiert. Vielleicht klafft in ihnen kein Abgrund, da sie aus flächigen Verhältnissen stammen und sich die Erde niemals vor ihnen auftat. Ich weiß bis heute nicht, ob ich sie beneiden oder bemitleiden soll. (Wende gelungen, neue Bahn) – Draußen schwatzen die Spatzen wie verrückt. Ich weiß nicht, was mit ihnen los ist. Andererseits beobachten sie uns ebenfalls und mögen sich sonstwas denken, wenn wir verrückt spielen und zu Zehntausenden unterwegs sind, um für oder gegen etwas zu sein oder in die Ferien zu fahren. Wir sind die Zugvögel, die Spatzen bleiben hier. Bald wird es Winter. Diese warmen Tage machen die Leute verrückt. Gestern schrien sie sich an und schienen besoffen zu sein von etwas, das sie Frühling im November nennen. Dazu die verstellten Uhren, so daß sich niemand mehr zeitlich positionieren kann. Schwere Eingriffe, von irgendeiner Kommandozentrale abseits jeglicher Kompetenz ersonnen und auf dem kalten Wege amtlich exekutiert. Gebieter über unsere Zeit. Es gibt Schlimmeres? Gut, so möchten wir fortan nur noch über Schlimmeres sprechen, wie? Ich werde nachdenken, was an Schlimmerem mir einfällt, damit es sich endlich lohnt.


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Überbackenes Sonntagsallerlei aus Resten

Ein Gedanke zu „Überbackenes Sonntagsallerlei aus Resten“

  1. Hartmut schreibt:

    „Flächige“ Verhältnisse dürften flache sein.

    Den Dämon überlisten. Seine Herausforderung zum Schein annehmen – der man in offener Feldschlacht doch unterliegen müsste – und ihn dann stehen und einen guten Mann sein lassen; ihn, von dem doch völlig unklar ist, ob er zur Herausforderung überhaupt berechtigt ist, welche Realität er besitzt und welche Frucht es denn zeitigte, überwände ich ihn tatsächlich.

    Credo ut intelligam.

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