Katherine Anne Porter I

Katherine Anne Porter (1890-1980) im Interview 1963:

„Ich habe überhaupt nie versucht, Karriere zu machen, auch nicht mit der Schriftstellerei. Ich habe einfach damit angefangen und hatte sonst nicht die geringsten Anlagen dafür, außer einer Art Besessenheit und einem Trieb zum Schreiben. (…) Aber dieses gewisse Etwas zwischen mir und meinem Schreiben ist die stärkste Bindung, die ich je erfahren habe – stärker als jede Bindung, jedes Engagement für ein menschliches Wesen oder irgendeine Arbeit, mit der ich mich jemals abgegeben habe.“

Befragt nach einer Erfahrung, die sich mit der ihrer Protagonistin in Pale Horse, Pale Rider vergleichen ließe, antwortet sie:

„Ja. Und das war die Grippe-Epidemie gegen Ende des Ersten Weltkriegs. Damals hing mein Leben an einem seidenen Faden. Zwar wurde nicht dieser Faden, waohl aber wurde mein Leben mittendurchgeschnitten. Was vorher noch im Zustand des Halbfertigen verharrte, das war nachher, nach der Krankheit … in das Stadium der Verwirklichung getreten. Bis ich mich wieder hinauswagen, bis ich wieder leben konnte auf Erden, das dauerte eine endlos lange Zeit. Allem war ich ‚entfremdet‘, wie man heutzutage sagt. Meiner Meinung lag das daran, daß ich bereits am Tode teilgenommmen hatte; ich wußte nun, wie er aussah, der Tod, weil ich fast sein eigen gewesen war. Ich hatte erlebt, was die Christen das ‚herrlichste Licht‘ nennen und die Griechen als ‚glücklichen Tag‘ bezeichnen, jene Euphorie kurz vorm Tode. Hat man das einmal erlebt und auch überlebt; ist es einem also gelungen zurückzukehren auf die Erde, dann ist man nicht mehr wie die anderen, und es hat keinen Sinn, sich da einer Selbsttäuschung hinzugeben. Aber wie es nun mal so geht, genau das habe ich getan. Ich machte einen Kardinalfehler, weil ich glaubte, mich hätte all das nicht verändert, und ich wäre genauso wie die anderen auch; und selbstverständlich bewirkte dieser Irrtum, daß ich versuchte, auch genauso zu leben wie die anderen. Es hat lange gedauert, bis ich spürte, wie sehr ich mich täuschte.“


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