Katherine Anne Porter II

Befragt zu den günstigsten Lebens- und Arbeitsbedingungen für einen Schriftsteller:

„Der eine braucht dies, der andere braucht das … Was ich jedoch für ganz entsetzlich halte bei jungen Künstlern, das ist dieser Hang zum Spießertum – diese fixe Idee, sie müßten unbedingt heiraten und eine Menge Kinder in die Welt setzen, und sie hätten genauso zu leben wie jeder x-beliebige Mensch. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich habe nicht das geringste gegen ein menschliches Zusammenleben dieser Art, habe nichts gegen Kinder und was sonst noch dazu gehört. Aber in der Regel kann man nicht beides haben. Man kann nicht sein Leben auf diese Weise führen und dann noch den Anforderungen seines Talents gehorchen. Kunst ist Berufung, eine Berufung, die nicht besser und nicht schlechter ist als jede andere auch. Für den wirklichen Künstler ist sie die selbstverständlichste Sache von der Welt, vielleicht nimmt er sie nicht so wichtig wie Luft und Wasser, aber mindestens ist sie für ihn so wichtig wie Brot und Wasser. Tatsächlich führen Künstler so etwas wie ein mönchisches Leben; und wer da mitmachen will, der muß dafür eben mit etwas anderem zahlen …“

Die Interviewerin, Barbara Thompson, fragt gut nach: „Aber enthält diese Auffassung nicht einen sehr riskanten ‚Fahneneid‘, wenn man sie einem Künstler präsentiert, der noch keinen ‚Ausweis‘ in der Tasche hat?“

Porter: „Natürlich tut sie das. Aber Begabung erkennt man nicht zuletzt auch an dem Mut, ihr, dieser Begabung, absolut treu zu bleiben. Ist einem dieser Mut nicht in die Wiege geliegt, dann ist das eine böse Sache. Dann ist man nämlich zum Scheitern verurteilt. (…) Man muß die Vorschriften seines Gefühls und seiner Gedanken befolgen. Wichtig ist nur, daß man ‚Ja‘ sagt zu seinem eigenen Leben und nicht versucht, das Leben eines anderen zu leben. Es gibt keinen einzigen Menschen, der nicht einen unverwechselbaren Fingerabdruck hätte, und diesen Fingerabdruck, dieses individuellen und einmalige Etwas muß man als unverwechselbares Merkmal akzeptieren und respektieren.“


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