Eine Zeitlang habe ich mich gefragt, ob es überhaupt noch Kunst oder Künstler geben könne oder meinetwegen: sie geben sollte. Mir schien, die Welt käme recht gut ohne sie aus. Ich schlug im Gespräch vor (mehrfach und noch vor kurzem), beide Begriffe meiden zu sollen. Nachdem jeder Darbietende auf jedwelcher Bühne zum Künstler ernannt worden war (Schlagersternchen, Alleinunterhalter, Coverband), gab der zur Sammelbezeichnung degradierte Begriff nichts mehr her. Er enthielt nichts Auszeichnendes, konnte wahllos ausgegeben werden und wurde es. Warhol und Beuys hatten recht bekommen: Jeder war ein Künstler. Also niemand. Das Gute daran: Der Kunst wurde das aristokratisch oder bürgerlich Elitäre ausgetrieben, sofern sich Auswahlkriterien von Herkunft, Stand und Ausbildung daran knüpfen. Doch auf die Inflation folgt die Deflation. Es könnte, nachdem die Begriffe langweilig geworden sind, allmählich begonnen werden, ihren Inhalt und Bestimmungswert neu zu ermitteln. In der Ferne taucht schemenhaft etwas auf, das sich anders positioniert und qualifiziert, als es den in ihren Geschäften und Verbindlichkeiten verstrickten Trägern großer Namen noch möglich ist. Das Zeitalter der Ironie und der schalen Satiren scheint vorüber zu sein. Da nun nacheinander Politik und Ökonomie ihrer Versprechungen müde werden und unverhohlen zur Tagesordnung der Gewalt übergehen, ist es an der Zeit, daß diesseits des religiösen Fanatismus (des Nichtwissens und eines kränklich unbedingten Wollens der Verzweiflung) eine alte Macht sich neu verstehen lernt.
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