Vor Wochen saß ich neben einem Feuerwehrmann, der mir von seinen letztendlich vergeblichen Versuchen berichtete, den Schichtwechsel der Berliner Feuerwehr so zu legen, daß nicht Mürrische auf Mißmutige treffen. Morgens um sechs ist die Welt kalt und böse, ganz gleich ob man kommt oder geht, die Schicht noch vor sich oder bereits hinter sich hat. Morgens um sechs möchte man keinem begegnen, nicht einmal im Badezimmer oder in der Küche. Morgens um sechs sei es warm und weich. Der Feuerwehrmann sagte, sieben Prozent der Bevölkerung terrorisierten den Rest mit einer Philosophie des frischen Beginnens möglichst vor dem Hahnenschrei. Er ließ mich zuvor schätzen, wieviel Prozent der Menschen Frühaufsteher seien (ich tippte auf fünfzig). Untersuchungen an Schulen hätten ergeben, daß die Kinder ausgeruhter, aufmerksamer und leistungsfähiger sind, wenn man sie nur eine verflucht schöne Stunde länger schlafen läßt. Die Folge: weniger Zeitverschwendung, Streß, Auseinandersetzungen und Gewalt; mehr Gelassenheit, Freude und Leistungsbereitschaft, ein deutlich besseres Abschneiden der ausgeschlafenen Schüler.
Ich kann es nicht leiden, wenn Menschen drangsaliert, schikaniert und kujoniert werden. Ich mag nicht, daß man Menschen diszipliniert. Ich kann all dieses Von-oben-herab-Regieren nicht ausstehen, dieser Annahme nicht folgen, strenge Regeln seien gute Regeln. Dazu noch die Lehrermentalität hier in Deutschland, das Rechthabersyndrom. Alles darf nur gemacht werden, wenn man es auch richtig macht. Richtig reisen, kochen, packen, vögeln, schwitzen, lernen, vergessen, entspannen, laufen, liegen, schlafen, träumen, verdauen, schreiben, denken, fühlen. Was für eine Schissernation sind wir eigentlich? Wann schalten wir einmal zurück und reduzieren auf das Nötige? Jetzt wollen sie die Flüchtlingssache im Griff und unter Kontrolle haben, am besten bereits gestern. Daß wir einmal etwas nicht unter Kontrolle haben, das peinigt die Menschen hier sehr. Vermutlich müssen bald alle noch früher aufstehen und noch länger arbeiten, damit wir das in den Griff kriegen. Es geht auch um die Macht, andere ärgern zu dürfen. Ich sehe übrigens allenthalben Sadisten am Werk. Solche Leute stehen früher auf, nur um andere leiden zu sehen. Strengt euch mal an, Elende dieser Welt! Hier ist es anders als bei euch unter der Sonne im Sand. Hier stehen wir auf, bevor uns jemand riechen kann.
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