Begegnung

Auf dem Heimweg ein Fuchs, nachts auf der Straße, lautlos, Jäger, unterwegs zwischen geparkten Automobilen, sich duckend, kaum wahrnehmbar, dann mit einem Mal deutlich sichtbar vor einem roten Kleinwagen, da er (der Fuchs) nicht damit rechnet, nicht wissen kann, daß manchmal Menschen warten und schauen und sich für ihn interessieren. Er kennt keine Jäger, nur lahme Bummler, er weiß gut, wo er lebt. Ich denke jetzt: endlich wieder ein Fuchs. Ich zweifelte bereits an meinem Glück. Letztes Jahr liefen sie mir dauernd über den Weg: kleine Füchse, Grünspechte, Dachse, Wildschweine, Häher. Dieses Jahr bisher begegnungslos, was die seltenen oder schwer zu belauschenden Tiere angeht. Dafür, wie zum Ausgleich, rätselhafte Menschen mit einiger Macht über mich. Ich laufe aufmerksam weiter durch die Tage und Nächte meines Lebens und bin an jeder Ecke gefaßt, daß hinter ihr ein Fuchs sitzt oder steht, auf einer Grünfläche beispielsweise, und den Mäusesprung übt. So wie der Kleinfuchs im letzten Jahr, sommers und spät. Er lief knapp an mir vorbei, wußte nicht, daß ein Mensch auch stehen und warten kann. Ich war für ihn Mülltonne oder Straßenlaterne, etwas Ungefährliches, Übersehbares, etwas wie jeden Tag am selben Ort, eine Unbeweglichkeit, eine Immobilie. Er lief knapp an mir vorbei, ich hätte ihn treten können. Sein Weg ging schräg über die doppelspurige Fahrbahn. Auf der Verkehrsinsel erforschte er die Verkehrsinsel, den Mittelstreifen mit Gras und Bäumen, intensiv, entspannt, vertieft. Er war im Flow, wie man das so nennt.


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