Kurz nur aufscheinend

Leuchtvögel. Nichts deutet darauf hin, daß ich über sie schreiben werde. Ich kenne sie nicht, doch sie könnten sein. Wenn es dämmert und dunkelt und die Schwärze ins absolute Schwarz eintritt, ist ihr Erscheinen ermöglicht. Der Mond könnte stören, ein ländlicher Beobachtungsposten wäre angeraten. Sie ziehen über den Himmel, einzeln oder im Schwarm. Sie wären uns ein Staunen, sie machten uns wundern. Ein Unaussprechliches führte sich auf, kindlich rein und erhaben wie die Figuration eines uralten Traums, der nur jeder n-ten Generation des irdischen Geschicks einen Zugang gestattet. Denn der Bilderschatz ist unendlich, die Kunst und die Gunst des Betrachtens limitiert. Manche verstehen nie, und recht sicher nicht durch Worte. Die Wörter machen kleine Tauschgeschäfte. Sinn berührt Sinne, Sinne funken durch. Kein Empfang, falsch verbunden, Störsender, Skalierung im Eimer, schade. Dauernd blödes Bedauern, daß man nicht begriffen habe. Falsches Bedauern, denn darin liegt doch der ganze Witz einer Situation. Die Leuchtvögel ziehen weiter, und dann sind sie fort. Leerer schwarzer Himmel. Nichts zu sehen. Aber die Sterne. Doch auch sie nur manchmal, fast wie alles. Wörter abstürzen lassen wie kleine Flugdrachen bei zu wenig Wind.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Kurz nur aufscheinend

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert